Faszien, Muskeln, Knochen

Wir werden nicht darum herum kommen, den Muskel neu zu denken. Neu zu denken mit dem Ansatz, dass der Muskel nicht nur eingebettet ist in Faszien, sondern selber kollagene Fasern enthält - oder vielleicht sogar Faszie mit kontraktilen Fasern ist. Da bin ich grad sehr mutig, das so zu formulieren. Aber es muss in diese Richtung gehen, denn ein dauerkontrahierter Muskel ist sicher nicht ein dauergeknicktes Myosinköpfchen in der Muskelfaser, es können nur die kollagenen Fasern sein, die sich nicht mehr strecken. Es können auch nur die kollagenen Fasern sein, die es erlauben, dass Muskulatur sich gefühlt in die Länge strecken kann. Sie sind die„Minus-Richtung“- also Streckkräfte im Muskel. In ihnen liegt auch die Kraft im Körper, die kontraktilen Fasern bringen die kollagenen Fasern nur in Position für die kraftvolle Bewegung. Würde unsere Kraft im Körper aus kontraktilen Fasern kommen, würden wir bei Kraftaufwendungen Feuer fangen oder explodieren - siehe die herrlichen Vorträge von Serge Gracovetsky (Boston 2009, you tube). Klar könnte man sagen, ist doch egal, welcher Teil der Einheit Muskel kräftig ist. Aber es macht einen Unterschied, weil eben nur die kollagenen Fasern (und die darin enthaltene Flüssigkeit) sich zu diesem wunderbaren Ganzen formen, das aufs Feinste mit unserem Stoffwechsel, somit mit unserer Ernährung, unseren Hormone, Neurotransmittern, unseren bewussten und unbewussten Erfahrungen etc. verwoben ist, respektive das zu einem Ganzen macht, was die Medizin so gerne vereinzelt. 
Darf es ein noch verwegener Gedanke sein?Was, wenn nicht nur der Muskel Faszie mit eingebetten kontraktilen Elementen ist, sondern auch der Knochen Faszie mit eingebetteten stabilisierenden Elementen? 
Würde bedeuten, das auch Knochen als Teil einer gesunden Gewebestruktur veränderbar sind, ein Leben lang. 
Benita Cantieni (Cantienica(r), Tigerfeeling) hat den Umbau von Knochen an sich selber beobachtet und in ihre Methode integriert. 
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Schmerzen - faszial gedacht

Schmerz ist ein grosser Lügner, wo er sich bemerkbar macht, hat er meist nicht seine Ursache. Schmerzen im Handgelenk kommen meist aus der Schulterregion, zum Teil sogar von der anderen Körperseite. Schmerzen in der rechten Schulter können mit der Leber zu tun haben, Lendenwirbelsäulenbeschwerden mit der Nieren. Schulmedizisch stehen wir diesen Zusammenhängen im Momrnt noch eher hilflos gegenüber. Gewisse Symptome oder vor allem die Kombination von Symptomen werden dann gerne als psychosomatisch verstanden. Auch der Begriff "autoimmun" wird für Unverstandes verwendet. Irgendwie macht sich der Körper selber oder die Psyche den Körper krank. Warum, wie genau oder wo die Möglichkeit zur Heilung liegt, ist unklar. 

Fängt man nun an faszial zu denken, ergeben sich neue Zusammenhänge:

1. Das System wird grösser. Faszien sind überall und verbinden alles miteinander. Das Wissen über die Muskelfaszien kommt über die Osteopathen und einige Physiotherapeuten gerade in der Medizin an. Die Osteopathen arbeiten auch mit den Organfaszien, kennen die Verbindungen im Körper, trotzdem das überalles faziale Denken lernen sie noch nicht. Die Verbindung von Faszien und Psyche wird von einzelnen Therapeuten gelehrt und angewendet. Sie sehen weit, aber vielleicht ist das Feld noch weiter. Meines Wissen ist die Oberflächenfaszie noch kaum beachtet. Sie, die mitmacht, wenn Hunde die Haare aufstellen, und vermutlich auch bei uns viel mitbekommt von unseren Befindlichkeiten. Ihre Funktion im Ganzen wird vernachlässigt. Dazu gibt es demnächst einen eigenen Blog-Artikel. 

2. Eine gesunde Faszie ist eine bewegliche, durchspülte Faszien mit vielen freien Nervenenden. Da die Natur nichts verschwendet, muss Wichtiges passieren an einem Ort, wo so viele Fühler platziert werden. Und wenn diese Nervenenden Probleme melden, weil sie gequetscht sind oder sogar schon Entzündungsvorstufen „messen“, wird die Immunabwehr hochgefahren. Unser Immunsystem greift die Faszie und ihr dazugehöriges Organ an. Voila, die Autoimmunerkrankung! Faszial gedacht logisch, oder? Vielleicht nicht der einzige Reizfaktor, aber bestimmt einer, über den esvsich lohnt nachzudenken. 

3. Doch nicht immer muss es gleich so dramatisch sein für die Faszien. Vielleicht ist sie nur etwas verklebt und die freien Nervenenden werden gequetscht. Das führt zu Schmerzen. Schmerzen,  für die man anatomisch nicht immer eine Ursache findet. In der Anatomie spielt das Bindegewebe keine Rolle, nur Bänder und Sehnen, also ein kleiner Teil des Fasziensystems, werden untersucht und in Lehrbüchern abgebildet. Es ist auch anzunehmen, dass die Faszien in der Anatomie ihr Geheimniss nicht preisgeben würden. Verstehen kann man sie vermutlich nur am lebendigen Körper - durch Beobachtung! Leider nicht die Paradedisziplin der modernen Schulmedizin, wo nur noch das Messbare zählt und das Messbare am liebsten noch vereinzelt vom Ganzen gemessen wird. Doch gequetschte Nervenenden müssen nicht einmal Schmerz signalisieren, um Symptome hervorzurufen. Dazu eine Geschichte: Unerklärlicher Schwindel, alle möglichen und teuren Untersuchungen gemacht, keine Erklärung. Nur durch Beobachtung: Schiefer, nach links geneigter Hals, aber eine gerade Augachse! Aus dem Nacken bekommt das Gehirn die Information über eine Neigung zur Horizontalen, die Augen melden aber eine perfekte horizontale Ausrichtung. Widersprüchliche Meldungen im Hirn erzeugen Schwindel, genau wie wenn man im Auto liest (Bewegungsmeldung vom Körper, gleichbleibendes Bild vor Augen). Faszial gedacht logisch, oder? Der Hals muss übrigens gar nicht erkennbar schief stehen. Es genügt, wenn die Nervenenden auf einer Seite des Halses mehr Druck spüren, was vom Gehirn schon als Neigung des Kopfes gedeutet wird. 

4. Die Durchspülung der Faszien hat bestimmt die Funktion unser Gewebe an die Bedingungen des Lebens anzupassen. Adrenalinausschüttung führt zum Zusammenziehen des Gewebes, man wäre verteidigungsbereit. Kann die Faszie sich wieder entspannen, kommt sie wieder in den Fluss. Da wo "Material" hintransportiert wird, muss auch Material abtransportiert werden. Das kann die gesunde, durchspülte Faszie. Anzunehmen, dass sie es sogar muss. Eventuell sogar als erstes "Gefäss" bevor die Flüssigkeit in die anderen Gefässe wie Lymphe und Blut fliesst. In einer verklebten Faszien wird sich aber so einiges ansammeln. Stoffe, die das Gewebe reizen und zu Mikroentzündungen führen. Auch das kann Schmerzen verursachen. Und natürlich bekämpft unser Körper Entzündungen, mit verschiedenen Mitteln, auch mit denen, die wir als allergische Reaktion bezeichnen. Faszial zu denken lohnt sich sicher auch hier. Auf die Allergien möchte ich dann im Artikel zur Oberflächenfaszie noch eingehen. 

5. Auf zwei Belastungsfaktoren der Faszien möchte ich konkret eingehen: Zucker & Co und Säure im Körper. Zucker & Co fördern Entzündungen und Schmerzen! Auf den langen Arztrezepten, die ich in der Apotheke häufig sehe, mit den Medikamenten für das metabolische Syndrom (Diabetes 2, Bluthochdruck, zu hohe Blutfettwerte), steht fast immer auch eine Schmerzmittel-Grosspackung drauf. Macht sich da niemand Gedanken über einen möglichen Zusammenhang? Faszial gedacht ist es logisch: Das metabolische Syndrom, das noch nicht immer, aber immer häufiger als Insulinresistenz angesehen wird, führt über mehr als einen Weg zur Verzuckerung der Faszien. Die verzuckerten, besonders hartnäckig verklebten Faszien führt alleine schon zu Schmerzen und Entzündungen, gleichzeitig triggert der Zucker Entzündung auch direkt, was zu noch mehr Schmerzen führt, im entgleisten Zustand sogar im ganzen Körper und auch im weichen Gewebe! 

Das ist leider noch nicht das Ende der Geschichte: Entzündungshemmende Schmerzmittel übersäuern den Körper! Faszien mögen keine Säure. Kollagene Fasern, also die Faszien, sind millieusensibel. Säure lässt sie denaturiert, dh sie verlieren ihre Spannkraft und verkleben. Säure erhöht die Schmerzempfindlichkeit und triggert wiederum Entzündungen, das weiss man eigentlich. Faszial gedacht fliessen die Erklärungen in einander: Zucker, Säure im Körper, Entzündung und Faszien - ein Wirkungskreis von dem wir sicher in den nächsten Jahren noch viel hören werden.

Das ist auch noch nicht das Ende der Geschichte: Zu entzündungshemmenden Schmerzmitteln werden zum Schutz der Magens Protonen-Pumpenblocker verschrieben. Die verhindern das die Protonen (H+) den Magen abgegeben werden, damit dieser nicht zu sauer wird. Schön, dafür bleiben sie im Körper. Protonen sind sauer, dh noch mehr Säure bleibt im Körper! 

Das ist immer noch nicht das Ende der Geschichte: Um die Proteine der Nahrung aufzuspalten, muss der Magen sauer sein. Laut Dr. Berg, Chiropraktiker und Stoffwechselspezialist aus USA, meint unsere Mägen seien häufig zu basisch (Körper zu sauer) und die Proteine werden nicht richtig verdaut und fehlen dann im Körper unter anderem zur Kollagensynthese! Dh die Faszien leiden wieder, diesmal unter einem Mangel an Bausubstanz, mit der sie sich regenerieren könnten. 

Das ganze Paket lautet also: verklebte, verhärtete Faszien, falsche oder keine Bewegung, Ernährungsfehler, Medikamenten-Nebenwirkungen, Entzündungen, Schmerzen - alles hängt zusammen - faszial gedacht!



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Faszien und Homöopathie

Die Faszien und die Foschung darüber stossen bei mir als Homöopathin auf besonderes Interesse. Vieles, was ich über die Faszien lese, lässt mich an die Wirkung homöopathischer Mittel denken.

Ein Liste, der Dinge, die mir bisher ins Auge gesprungen sind:

  • Die Faszien sind unser Interozeptionsorgan. D.h. da fühlen wir an und in unserem Körper Angenehmes und Unangenehmes, wie Wärme/Kälte, Schmerzen/Jucken, Hunger/Durst, Lufthunger, Berührung, Weingeschmack und so weiter. Wir sind also genau im Feld der homöopathischen Empfindungen und Modalitäten (Verschlimmerungen und Verbesserungen der Symptome). Während bei den meisten Empfindungen klar ist, dass sie irgendwie aus dem Körper ins Gehirn gemeldet werden, finde ich den Lufthunger und den Weingeschmack aussergewöhnlich, weil dies auf eine unerwartet feine Abstimmung zwischen Körper und Gehirn hinweisst. Und genau in diesem Feinen zeigen sich homöopathische Syptome/Modalitäten, die die Schulmedizin schwer einordnen kann: Verbesserung oder Verschlimmerung an der frischen Luft oder Verbesserung oder Verschlimmerung durch Wein - nicht Alkohol, sondern Wein.
  • Die Faszien verändern (verkleben und verformen) sich durch psychischen Stress, Gewebeverletzungen durch Unfälle oder Operationen, Bewegungsmangel und Fehlhatungen, Kälte, falsche Ernährung und Übersäuerung, Krankheiten und Substanzen, die wir einnehmen. Auch hier genaue Parallelen zu den Ursachen und Auslösern von Symptomen, die in der Homöopathie als wichtig erachtet werden.
  • Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte in der Homöopathie, d.h. der Körper erhält nur ein Signal und findet dann von selber in seinen ursprünglischen Zustand zurück. Die Faszien speichern zwar ungesunde Muster, finden aber durch Lösen der Verformungen wieder zurück in ihren urspünglichen Zustand, den sie auch über Jahre gespeichert und wieder abrufbar behalten haben.
  • Die Überlagerung der Symptome kann man beim Bindegewebe und in der Homöopathie beobachten. Ein falsches Muster oder eine Krankheit werden vom Körper so kompensiert, dass sich neue Symptome wie eine neue Erkrankung über die alte legen.
  • Die Erstverschlimmerung wird in den Faszientherapien und in der Homöopathie beobachtet. Die Aktivierung des Ganzen kann zu einer kurz dauernden Verschlimmerung der Symptome führen, bis der Körper wieder in sein ursprüngliches Gleichgewicht findet.
  • Das fasziale Denken erklärt, wieso am Ende immer das Ganze betroffen ist, auch wenn zu Angfang nur ein Teil der Körpers aus der Funktion fiel. Dies entspricht dem homöopathischen Denken, Krankheiten und die Wirkung der homöopathischen Mittel gehen meist von Kopf bis Fuss durch und betreffen am Ende immer auch das Ganze, Geist und Gemüt inklusive.
  • Wasser/Flüssigkeit ist der Informationsträger in den Faszien und bei homöopthischen Mittel. Ich könnte mir vorstellen, dass die Faszien das Organ sind, wo die Homöopathie mit ihrer Wirkung ansetzt. Es wäre sehr interessant zu wissen, wie Bindegewebe auf homöopathisch verdünnte Substanzen reagiert. Da, wo die Chemie quasi keine Moleküle und Wirkung mehr messen kann, könnte es das Bindegewebe vielleicht immer noch.

Die Kunst zu Sehen

Ein Erlebnis in Neuseeland: 3 Wochen Eyebody Retreat mit Peter Grunwald!
Die Eyebody Methode geht davon aus, dass gutes Sehen weniger im Auge stattfindet als in den dazugehörigen Hirnarealen. Die untere Sehrinde empfängt die Signale (primäre Sehrinde), vornehmlich vom Punkt des schärfsten Sehens, und macht sie durch Abgleich mit Bekanntem verständlich (sekundäre Sehrinde). In der oberen Sehrinde, den tertiären Arealen, geschieht aber etwas Entscheidendes: Es kommen Signale aus dem limbischen und Reptiliengehirn dazu; Informationen über Gefühle, Farben und Bewegung - dazu komme ich noch weiter unten. Ganz wichtig: Hier wird noch einmal entschieden, ob überhaupt und wie die Informationen ausgewertet, respektive gesehen werden! 
Ich bin seit meinem zehnten Lebensjahr kurzsichtig. Nun bin ich bei - 7,75 Dioptrien angelangt und habe beidseitig eine Hornhautverkrümmung. Natürlich dachte ich mit meinen Augen stimmt etwas nicht. Dass mein Gehirn meine Augen nur falsch brauchte, weiss ich jetzt. Durch diesen jahrelangen falschen Gebrauch haben sich meine Augen verändert, das ist klar, und diese Veränderungen verhindern das gute Sehen. Die Veränderungen können jedoch nur da rückgängig gemacht werden, wo sie ihre Ursache haben: im Gehirn. Doch das lief bei mir in der Vergangenheit erst einmal anders. Mit der Kurzsichtigkeit kamen auch die "falschen Massnahmen": angestrengtes Sehen, Zusammenziehen des gesamten Sichtfeldes, die erste Brille - alles in der Annahme, dass Sehen nur Scharfsehen bedeutet. Die Brille bündelt alles Licht zum Punkt des schärfsten Sehens, der Sehgrube, und (über)beschäftigt so die dazugehörige untere Sehrinde. Der Rest der Netzhaut wird vergleichsweise wenig gebraucht. Ihre Funktionen wie Restlicht zu sammeln bei Dämmerung und Bewegungen auch in der Peripherie wahrzunehmen, ohne sie mit angestrengtem Sehen in den Fokus zu nehmen, liegen brach. Nicht nur die Hirnareale, die diese Informationen direkt empfangen (va das Reptiliengehirn) sind unterbeschäftigt, sondern, wie oben schon erwähnt, wird die obere Sehrinde wenig stimuliert. Hier, wo so wichtige Prozesse ablaufen, wie die Farbverarbeitung und zB die Gesichtserkennung, ist wenig los - zu wenig! Denn, was nicht gebraucht wird im Gehirn, wird plastisch umgeformt und abgebaut. Natürlich ist uns nicht bewusst, dass unser scharfes Sehen nicht die maximal mögliche Qualität des Sehens hat. Dazu komme ich unten noch einmal. Hier zuerst einmal, was mit einem geschrumpften Reptiliengehirn an Funktion verloren geht. Dies ist unser "unbürokratischstes" Gehirn. Aktion - Reaktion, ohne Einmischung der Gefühle aus dem Limbischen, ohne lange kongnitive Prozesse aus dem Frontallappen der Grosshirnrinde. Eine Art praktischer Standby-Modus, der bei Bagatellen aufwändige Aktivität in höheren Arealen verhindert. Möglich in diesem Zusammenhang, dass unser Zivilisationsstress mit einem falschen Verständnis des Sehens zu tun hat. Und dann die Umkehr: Stress führt zu falschem Sehen! Verkrampfte, umgeformte und abgebaute Strukturen, Druck in den Augen, Druck des Glaskörpers auf die Linsen und, wie ich vermute, eine verkrümmte Hornhaut, die nur die Fortsetzung unserer Sorgenfalten ist. 
Peter Grunwald sagt, ungebrauchte, geschrumpfte Hirnareale sinken nach unten weg und beeinträchtigen wiederum anliegende Strukturen wie die Sehnerven, welche dann in ihrer Funktion gestört werden. Dieses Durchhängen von Strukturen im Gehirn zeigt sich auch äusserlich in dieser typischen "Altershaltung" mit der eingesunkenen, verkürzten Nackenpartie und dem überdehnten, hängenden Hals vorne, der sich mit dem Kinn zu einer grossen Masse vereinigt. Ich weiss, wovon ich spreche; dahin war ich unterwegs. 
Ein Zweifler mag nun anmerken, dass man mit der Brille oder einer Operation das Problem einfach lösen kann und dann wieder gut sieht, auch Farben und Bewegung. Stimmt schon, man sieht. Wenn man im Fernsehen einen Film über einen Urwald sieht, sieht man auch. Alles! Und trotzdem hat man keine Ahnung - keine Ahnung von den echten Farben, die für unser Gehirn als reale Erfahrung einen ganz anderen Sinn ergeben, insbesondere wenn noch die Tiefe als weitere Dimension dazukommt. Und welchen Unterschied macht unsere eigene Bewegung im Raum für unser Sehen, unsere Wahrnehmung, unsere Selbsterfahrung und unser Gehirn? Da nun alles lebendig aktiv und präsent! Wer kann schon von echter Präsenz vor dem Fernseher reden? 
Hier sei noch die Sache mit der Kurzsichtigkeit in Asien erwähnt: 90 % der Schulkinder brauchen eine Brille und mangelnde Bewegung soll der Grund sein; respektive das Lernen und Sehen, das keine ganzheitliche Erfahrung im dreidimensionalen Raum mehr ist. Sehen hat also etwas mit dem ganzen Gehirn und dem Körper zu tun. 
Wer noch nicht überzeugt ist, soll einmal folgendes Experiment machen: Sehhilfe weg, Fotokamera einpacken und raus ins Grüne. Wie nehmen Sie die nun verschwommene Landschaft war? Wie fühlen Sie sich mit dem, was Sie wahrnehmen? Und jetzt schauen Sie die Landschaft auf dem Display Ihrer Kamera an, gerne nahe ans Gesicht oder auch vergrössert, so dass Sie alles scharf sehen. Was gewinnen Sie mit dem Fokus auf den Display? Was verlieren Sie? Wie fühlen Sie sich sicherer, vor allem im Bezug auf Unbekanntes aus einer unerwarteten Richtung? Scharf sehen ist nützlich, panoramisches Sehen auch! Da wollen wir hin, auch unsere obere Sehrinde fordern und ihr Interesse wecken. Das ist wichtig, denn die obere Sehrinde entscheidet in letzter Instanz, was gesehen wird! Natürliches Scharfsehen fängt mit dem Stimulus des panoramischen Sehens an! Wer besser sehen möchte, sollte keine Brille anziehen.
Nun, ich lasse mich jetzt ein auf dieses neue Sehen, das so gut zu meiner Sicht von Krankheit passt. Krankheit bedeutet für mich, dass ein Teil unseres Körpers aus seiner Funktion und aus dem Ganzen herausgefallen ist. Viele "Heilmethoden", wie zum Beispiel eine Brille, sind Krücken, isolieren die Teile noch mehr und lassen als Folge auch andere Teile aus der Funktion fallen - die Hirnareale oben als gutes Beispiel. Ich hole nun meine Augen und alles, was dazugehört, wieder zurück ins Ganze.
Einmal zurück im Ganzen sind natürlich weder Gehirn noch Augen sofort bereit für natürliches scharfes Sehen. Da müssen sich noch Strukturen neu aufbauen und vor allem Gewohnheiten sich ändern. Ich bin geduldig und hochmotiviert durch erste Erfolge. 
Verschwommen oder scharf sehen scheint definitiv nicht der zentrale Punkt zu sein. Nicht einmal in unserem Überfokus fordernden Alltag: meine ganze Reise nach Neuseeland und zurück, ganz ohne Brille. Verschwommenheit kein Problem! Wenn man die Augen richtig öffnet, ist erstaunlich, was man sieht, und, wenn es mal gar nicht geht, wie viele nette Leute einem gerne helfen. Das dann gleich als Training für unser limbisches System und unsere Emotionen: "Was denken wohl die Leute, wenn sie meine Schwäche bemerken? Beissen sie?" Nein, tun sie nicht! Im Gegenteil, es ist eine bereichernde Erfahrung: Wir müssen nicht alles können. Fast scheint es, als hätte ich mein Leben lang auf diese Erkenntnis gewartet. Autofahren kann ich natürlich nicht, zu Fuss und mit Zug und Bus geht auch. Geputzt habe ich schon sauberer, aber bye-bye Überfokus - niemand vermisst dich! Ausser vielleicht deine Schwester, die Erschöpfung - nimm sie doch bitte gleich mit! Ich kann nur gewinnen. 
Übrigens wussten Sie, Erinnerungen sind nicht verschwommen. Ich habe Neuseeland gesehen und vor allem habe ich Urwald gesehen! 
Wir werden aber nicht darum herum kommen, den Muskel neu zu denken. Neu zu denken mit dem Ansatz, dass der Muskel nicht nur eingebettet ist in Faszien, sondern selber kollagene Fasern enthält - oder vielleicht sogar Faszie mit kontraktilen Fasern ist - da bin ich grad sehr mutig, das so zu sagen. Aber es muss so sein, denn ein dauerkontrahierter Muskel ist sicher nicht ein dauergeknicktes Myosinköpfchen, es können nur die kollagenen Fasern sein, die sich nicht mehr strecken. Es können auch nur die kollagenen Fasern sein, die Muskulatur in die Länge dehnen. Sie sind die „Minus-Richtung“- also Streckkräfte im Muskel. In ihnen liegt auch die Kraft im Körper, die kontraktilen Fasern bringen sie nur in Position für die kraftvolle Bewegung. Würde unsere Kraft im Körper aus kontraktilen Fasern kommen, würden wir bei Kraftaufwendungen Feuer fangen oder explodieren - siehe Gracovetsky. Klar könnte man sagen, ist doch egal, welcher Teil der Einheit Muskels kräftig ist. Aber es macht einen Unterschied, weil eben nur die kollagenen Fasern  (und die darin enthaltene Flüssigkeit) sich zu diesem wunderbaren Ganzen formen, das aufs Feinste mit unserem Stoffwechsel, somit mit unserer Ernährung, unseren Hormone, Neurotransmittern, unseren bewussten und unbewussten Erfahrungen etc. verwoben ist, respektive das alles zu einem Ganzen macht, was die Medizin so gerne vereinzelt. 
Ich würde wetten, dass genau in diesem neuen Ganzen auch die Seelenhand wirkt. 
Beim nochmaligen Lesen meines Textes kommt ein neuer Gedanke: Was, wenn nicht nur der Muskel Faszie mit eingebetten kontraktilen Elementen ist, sondern der Knochen Faszie mit eingebetteten festigenden Strukturen? Und diese Faszie unsichtbar über uns hinausgeht in unseren Kreis? Diese unsichtbaren und sichtbaren Faszien bespielt werden können, wie ein Instrument? So sehen es die Chinesen, mal tönt es gut, mal nicht, weil wir nicht richtig gestimmt sind. Uns selber in einem grossen Raum bespielen und die Materie gestalten, von jenseits der Zeit, mal gesund,  mal „krank“, wie es unsere Seelenentwicklung braucht; ist das nicht ein schönes Bild?