Normal- oder Horrorszenario?

Zur Zeit wundere ich mich etwas, was da alles so erzählt und publiziert wird.

Zum Bespiel "2 Prozent Todesrate" beim neuen Coronavirus: Was genau sind die 100% zu diesen 2%? Alle Erkrankten, auch die mit milden Symptomen oder nur die mit auffälligen Symptomen, die sich in Spitalpflege begeben und dort positiv getestet werden? Die Behörden gehen anscheinend davon aus, dass sie über jeden Erkrankten Bescheid wissen - so wird es heute 6. März 20 noch kommuniziert. Das glaube ich aber nicht. Und es macht einen wichtigen Unterschied: Nur solche Annahmen der Behörden können ein Virus "gefährlicher" machen. Wir müssen also vorsichtig sein mit unseren Annahmen. 

Wussten Sie, das Coronaviren etwa 1/3 unserer normalen Winterviren ausmachen, die virale Infekte verursachen? Weitere ungefähre Drittel: Influenzaviren (saisonale Grippe) und Rhinoviren (Schnupfen). Coronaviren haben noch Husten und gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden im Programm, was Rhinoviren nicht haben. Schon den ganzen Winter hatten wir viele Patienten in der Apotheke mit einer Corona-Symptomatik. Die Corona-Symptomatik wird als normale Erkältung wahrgenommen, damit gehen die wenigsten zum Arzt. So wird es auch mit dem neuen Coronavirus sein; wer eine milde Symptomatik hat, geht nicht zum Arzt und erscheint in keiner Statistik. 

Also: Gesamte Bevölkerung -> davon werden gemäss Experten geschätzte 20 - 60 % erkranken (das ist schon die korrigierte Schätzung, vor einigen Tage waren es noch 30 - 70% - in jedem Fall bedeutet eine solche Spannbreite, dass man eigentlich völlig im Dunkeln tappt) -> von diesen 20 - 60 % haben die meisten eine milde Symptomatik und zum Teil gar keine (!), vermutlich gehen sie nicht zum Arzt, wenn sie nicht zuvor in einem "Krisengebiet" waren - und das ist jetzt super wichtig: Die 2 % Todesrate beziehen sich schon mal nicht auf 20 - 60 % der Bevölkerung, sondern nur auf die bisher gefundenen Fälle!

Ob wir annehmen genau zu wissen, wer erkrankt ist oder eben nicht, ergibt zwei völlig unterschiedliche Geschichten:

1. Das Horrorszenarium: Das Virus macht sehr krank. Jeder merkt, dass er es hat. Man muss ins Spital und dort sterben 2 % der Erkrankten.

2. Das Normalszenarium: Die Erkrankung verläuft mild, man kann sie in der Regel problemlos durchmachen. Am besten bleibt man zu Hause, gibt dem Körper die Möglichkeit zu regenerieren - zu Hause bleiben bis zwei Tage fieberfrei, sagte schon meine Grossmutter. Wer es bekommt und zu Hause auskuriert, fördert die Immunität in der Bevölkerung - ist also ein Segen und keine Gefahr für die Bevölkerung. Die mit einer schweren Symptomatik kommen in Spitalpflege und die mit entsprechenden Vorerkrankungen und Medikamenten sind gefährdet an den indirekten Folgen (schlechte Immunabwehr, schlechte Kompensationsmöglichkeiten) ihrer Krankheit und ihrer Medikamentation zu sterben.

-> Kleiner Einschub: Das Normalszenario schliesst auch Massnahmen ein, zumindest solche, die der gesunde Menschenverstand diktiert: Hände waschen, nicht rund um die Uhr, aber an allen zeitlichen und örtlichen Schnittstellen öffentlich-privat; in den Ärmel husten und niesen; sich nicht unter Menschen mischen, wenn man erkrankt ist; sich schonen, dass man schnell wieder auf die Beine kommt und sich dementsprechend pflegen und ernähren - NEIN, KEIN DOSENFUTTER UND SÜSSES ZEUGS!!! Also alle Massnahmen, die eigentlich immer und normalerweise gemacht werden sollten. Nichts Neues!

Es heisst immer, Zahlen lügen nicht. Genau darum lässt es sich mit Zahlen so leicht lügen! Wobei ich nicht sagen möchte, dass hier irgendjemand lügt. Nein, ich vermute, es sind nur alle viel zu aufgeregt und vorsichtig, auch eine Art der Aufregung, um irgendetwas zu hinterfragen, Experten inklusive. Ich glaube, alle Experten haben im Moment mehr Angst, ein Horrorszenarium zu verharmlosen als ein Horrorszenarium zu erschaffen. Eine negative Sicht zahlt sich für Experten aus: Wenn es schlimm wird, haben sie es ja gesagt. Wenn es nicht schlimm wird, ist das Thema vom Tisch und niemand macht ihnen Vorwürfe. Ganz ehrlich: Auch ich habe eine kleine Stimme im Kopf, die sagt: "Was, wenn du falsch liegst mit deiner entspannten Haltung? Das macht dich angreifbar! Man könnte dir Vorwürfe machen." Das ist aber nur meine Angst falsch zu liegen, daraus mache ich keine Angst krank im Bett zu liegen! 

Denn für uns als Bevölkerung ist das Horrorszenario schon in der Theorie ungesund: Nicht nur die Angst um die Gesundheit, nein, auch Angst vor Einkommensausfällen, Versorgungsengpässen, Angst vor Pflegepersonal in Hochsicherheitsanzügen, gar Angst vor Menschen(ansammlungen) - entwicklungsgeschichtlich fühlt sich unser Nervensystem in sozialen Verbänden wohl und sicher. Und um Sicherheit geht es hier, nur Sicherheit bewahrt uns vor einem shut-down unserer Immunabwehr - zur Erinnerung, wenn ein Tiger hinter uns her ist, ist die Virenbekämpfung nicht wichtig. Wir brauchen echte Sicherheit, die aus der Gewissheit kommt, dass unsere Körper Wunderwerke sind, die seit Jahrtausenden mit Viren & Co umgehen können. Dazu braucht es aber auch etwas von Aussen: Etwas weniger Sterilität und weniger Angst!